Gemeinde leiten - Tagung für Kirchengemeinderatsgremien im Stift Urach

Vom 9. bis 11. Mai tagten Kirchengemeinderatsgremien aus der ganzen Landeskirche unter dem Motto „Gemeinde leiten – berufen, begabt, beherzt“ im Stift Urach. Geleitet und organisiert wurde die Tagung, die seit 2007 zweimal jährlich stattfindet, von Bärbel Hartmann, Pfarrerin und Leiterin des Stift Urach, sowie den Gemeindeberatern Annedore Beck und Hans-Martin Härter.

 

Die Aufgaben eines Kirchengemeinderats und Kindererziehung haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Doch das Ziel sei für Eltern wie Kirchengemeinderäte dasselbe, sagt Pfarrer und Gemeindeberater Friedemann von Keler: nämlich Entwicklungsspielräume zu schaffen. Nur eben nicht für Kinder, sondern für die Kirchengemeinde und ihre Mitglieder.

 

Anhand weiterer Impulse erläuterte Friedemann von Keler in seinem Vortrag „Gemeinde leiten – gemeinsam“, was unter Führung und Leitung zu verstehen ist. Wichtig sei vor allem der Blick auf die ganze Gemeinde, nicht nur auf das eigene Gremium. Kleine Unterbrechungen und der Blick von außen würden dabei helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

Anschließend fand in den einzelnen Gremien ein Austausch über die Impulse statt, was diese konkret für die Arbeit bedeuten können. Nach der Kirchenwahl vom 1. Dezember 2013 gilt es außerdem, sich in den Kirchengemeinderatsgremien als Gruppe neu zu finden, Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Weitere Programmpunkte waren verschiedene Workshops zum Thema Leitung sowie ein zauberhafter Abend mit MERLIN.

 

"Aus dem Alltag herausgeholt"

 

Diakon Hans-Martin Härter vom Evangelischen Bildungszentrum Birkach sieht das Konzept der Tagung vor allem durch die gute Stimmung bestätigt: „Wir haben Teilnehmer, die regelmäßig wiederkommen. Neue Teilnehmer sind motiviert, interessiert und gesprächsbereit.“

 

Pfarrerin Hanna Bader aus Kleinengstingen, 2. Vorsitzende im Kirchengemeinderat, begleitet seit fünf Amtsperioden den Kirchengemeinderat und besucht zum dritten Mal die Tagung. „Es tut gut, andere Gruppen zu treffen und sich austauschen zu können.“ Sie komme immer wieder gerne nach Bad Urach, weil das Stift ein Ort sei, der einen aus dem Alltag heraushole.

 

Den speziellen Charme der Tagung sieht Hans-Martin Härter auch im Austausch mit Vertretern der Landeskirche: „Die Reden sind nicht vorgegeben. Es bleibt Raum für Anregungen und um über kontroverse Themen zu diskutieren.“ Die Vielfalt des Programms zeichnet die Tagung aus, so Bärbel Hartmann, Leiterin des Stift Urach. „Es lebt von der Mischung aus heiterem-leichtem Programm und gleichzeitig den Information, die weiterbringen.“ Die Tagung solle den Gremien, aber auch den einzelnen Personen zugutekommen. Die Planung geht auf: „Überraschend gut“, so das Resümee eines Erstteilnehmers. Er will im nächsten Jahr wieder kommen.

 

Nächste Tagung "Gemeinde leiten"

 

Die nächste Tagung "Gemeinde leiten – berufen, begabt, beherzt" findet vom17. bis 19. Oktober im Stift Urach statt. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung finden Sie hier.

 

 

 

Rückblick

AUS BEGEGNUNG WACHSEN

 

Das Fremde und das Eigene im Dialog

 

Gemeinsame Suche nach Gemeinde von morgen

 

Tagung für Kirchengemeinderats-/Gemeindekirchenratsvorsitzende, Partnerschaftsbeauftragte und Interessierte aus Württemberg und Mitteldeutschland.

 

Am letzten Januarwochenende 2012 trafen sich auf Einladung des württembergischen und des thüringischen Gemeindedienstes, Kirchengemeinderätinnen und -räte, sowie Partnerschaftsbeauftragte aus beiden Landeskirchen in Neudietendorf bei Erfurt. Inhaltlich begleitet wurde die Tagung durch Probst i.R. Mikosch aus Thüringen und Prälat Dr. Rose aus Württemberg.

 

Die Tagung begann mit einer Beschreibung des Ist-Zustandes der Kirchengemeinden. Anhand eines Fragebogens beschrieben ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Kirchengemeinden. In Kleingruppenarbeit wurden diese Beschreibungen gründlich ausgewertet. Festgestellt wurden auch nach zwanzig Jahren kirchlicher Einheit die signifikanten Unterschiede in den strukturellen Bedingungen gemeindlichen Lebens in den beiden Landeskirchen. Hier die durch starke pfarramtliche Strukturen geprägte „reiche“ württembergische Landeskirche, dort die „arme“ thüringische Landeskirche wo sich oft bis zu 18 Gemeinden einen Pfarrer, eine Pfarrerin teilen müssen. Deutlich wurde, dass in beiden Rahmenbedingungen Chancen (hohe Professionalität, große ehrenamtliche Verantwortung) aber auch große Defizite (Dominanz des Pfarramtes, Resignation ob der bescheidenen Mittel) liegen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen blickten von „außen“ auf ihre und auf die Situation der Anderen. Dabei konnte man Enttäuschungen sowie Erfolge im Licht der anderen Realität neu sehen, dies wurde von Allen als große Bereicherung empfunden.

 

Die Impulsreferate von Probst i.R. Mikosch und Prälat Dr. Rose hatten die Aufgabe, die Rolle der Ämter in der Kirche theologisch und von ihrer historischen Entwicklung her zu beschreiben. Thüringen ist immer noch in dem spannenden Prozess der Fusion einer lutherischen Landeskirche (Thüringen) mit einer unierten Landeskirche (Kirchenprovinz Sachsen). Also der Fusion einer episkopal (stark vom (Pfarr-)Amt her denkend) geleiteten Kirche mit einer presbyterial (stark vom synodalen (Ehren-) Amt her denkend) geleiteten Kirche. Probst Mikosch referierte in besonderer Weise die historische und aktuelle Rolle der Theologischen Erklärung von Barmen im Fusionsprozess der beiden Kirchen. In der theologischen Erklärung von Barmen hat die Synode der Bekennenden Kirche 1934 den nationalsozialistischen Ungeist verworfen. Die Barmer Erklärung spielt in den Kirchen die sich im Nationalsozialismus in Befürworter, Passive und Gegner gespalten hatten eine große Rolle, in den „intakt“ gebliebenen Kirchen (z.B. Württemberg) eine untergeordnete Rolle. Die vierte These der Barmer Erklärung handelt vom Amt: „Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes“. In der Anerkennung der Barmer Erklärung als Bekenntnis der durch die Fusion neu entstandenen Landeskirche wurde in der Kirchenordnung die Gleichheit  der Ämter festgeschrieben.

 

Es gilt allerdings jetzt im Vollzug der Fusion kulturelle und historische Unterschiede zu überwinden. Deutlich wurde auch die enorme organisatorische Belastung der Pfarrämter vor allem im ländlichen Bereich. Es wurde von Pfarrerinnen und Pfarren berichtet die zwölf und mehr Gemeinden zu versorgen haben.

 

Hier kommt man ohne starkes Ehrenamt, auch in der Verkündigung,  gar nicht aus.

 

In Württemberg gab es einer historisch anderen Entwicklung. Die württembergische Landeskirche ist „intakt“ aus dem Kirchenkampf hervorgegangen, die Übernahme der Barmer Theologischen Erklärung als Bekenntnis hat die Synode abgelehnt (aber wenigstens ist es im Gesangbuch abgedruckt).  Auch die strukturelle Rahmenbedingungen sind völlig anders. Auch wenn in der Kirchengemeindeordnung die gemeinsame Leitung von Kirchengemeinderätinnen/Kirchengemeinderäten  und Pfarrerinnen/Pfarrern festgeschrieben ist, befördern die Rahmenbedingungen oft ein Übergewicht des Pfarramtes. Prälat Dr. Rose forderte einen Perspektivwechsel weg von den Aufgaben der Gemeinde  hin zu den Gaben der Ehrenamtlichen und die Ausbildung einer nachhaltigen Anerkennungskultur in Kirche und Diakonie. Im Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamt verlangte er nach einer gut ausgebildeten Kommunikations- und Teamfähigkeit der haupt- und ehrenamtlichen Leitungspersonen. Dass Konflikte in der gemeinsamen Leitung nicht ausbleiben wurde bei der Tagung mehrfach berichtet. Es komme darauf an die Konflikte nicht zu verdrängen, sondern sie sachlich zu bearbeiten so Rose

 

Mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Neudietendorfer Kirche, Auswertung der Tagung und der Bitte an die veranstaltenden Gemeindedienste am Thema weiterzuarbeiten endete diese sehr ertragreiche Tagung.

 

Rainer Weitzel

 

Abendgebet

Tanzpause

Stadtführung Erfurt

Rückblick

Lust auf Leiten – Fortbildung für gewählte Kirchengemeinderatsvorsitzende

 

Zum zweiten Mal in dieser Amtsperiode konnte eine Fortbildungsreihe für KGR-Vorsitzende erfolgreich abgeschlossen werden. In jeweils 3 Modulen wurden in den vergangenen 1 ½ Jahren in allen vier Prälaturen der  Landeskirche Fragen der Sitzungsleitung, des Umgangs mit Konflikten, der Ehrenamtsförderung, der geistlichen Verantwortung des Kirchengemeinderats u.v.m. thematisiert. Die über 80 Teilnehmenden aus dem gesamten Bereich der württembergischen Landeskirche trafen sich nun zur Abschlusskonferenz am 12. November 2011 in Stuttgart. Die erste Hälfte des Tages fand im Dienstgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats statt.In einer Gesprächsrunde mit Landesbischof July und Oberkirchenrat Dunker wurde für alle Beteiligten deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel in der Leitung auf allen Ebenen der Landeskirche ist.  Auch die Führung durch die wichtigsten Räumlichkeiten in dem großen Gebäudekomplex und der Kontakt mit den in den verschiedenen Dezernaten verantwortlichen Kirchenräten wurde von den gewählten Vorsitzenden gerne und mit großem Gewinn wahrgenommen. Fanden doch in diesem Rahmen kurze Gespräche mit Funktionsträgern statt, die bisher allenfalls telefonisch oder aufgrund von Schriftverkehr bekannt waren.Eine Kirchenführung in der Stuttgarter Hospitalkirche und der abschließende Abendmahlsgottesdienst rundeten den Tag ab.Die in den beteiligten Bildungswerken Ulm/Blaubeuren, Tübingen, Ludwigsburg und Heilbronn verantwortlichen Erwachsenenbildungsreferenten, die Mitarbeitenden aus der Gemeindeberatung und die Teilnehmenden zogen am Ende eine positive Bilanz über die gesamte Fortbildungsreihe.Auch die im Oberkirchenrat Verantwortlichen zeigten sich nach der Begegnung mit den gewählten Vorsitzenden beeindruckt über die hohe Motivation, die Kompetenz und Professionalität mit der die ehrenamtlich Leitenden vor Ort und in den Kirchenbezirken ihre vielfältigen Aufgaben wahrnehmen.

 

Hans-Martin Härter, Referent für Kirchengemeinderatsarbeit

 

Evangelisches Bildungszentrum, Grüningerstraße 25, 70599 Stuttgart, Tel. 0711/458049420

 

KGR-Vorsitzende bei der Kirchenerkundung in der Stuttgarter Hospitalkirche

Im Gespräch mit Kirchenrätin Nothacker und Kirchenrat Hoffmann-Richter

Diskussion mit Landesbischof July

Rückblick

KGR-Tagung I im Stift Urach vom 15. - 17. April 2011

"Auf andere zugehen" -

Kirchengemeinderatsgremien beschäftigen sich mit Mission

Mittelalterliche Gemäuer, liturgische Gebete und anregende Gespräche - eine gute Voraussetzung für ein gelungenes Wochenende von Kirchengemeinderatsgruppen. Biblische Impulse, dreimal am Tag eine liturgische Andacht und zwischendurch Vorträge im Plenum und Austausch in der Kleingruppe - so lässt es sich leben im Einkehrhaus Bad Urach. Das Thema am 15. bis 17. April lautete "Mission - um Gottes Willen der Welt zuliebe".

 

Die Tagung begann mit dem Erzählen von der Güte Gottes, die jedem Einzelnen an diesem Tag widerfahren war. Es folgte eine Bibelarbeit zur Güte Gottes, die Josef in seinem Leben erfuhr. Deutlich wurde dabei: Menschen erfahren Gott im Alltag - und können lernen, davon zu erzählen. Dieser erste Abend klang aus mit einem Orgelkonzert in der spätgotischen Amanduskirche.

 

Am Samstagvormittag begeisterte Bernhard Dinkelaker mit seinem Vortrag zum Tagungsthema. Ausgehend von den Erfahrungen weltweit bewegte die Kirchengemeinderäte vor allem die Frage, wie Mission vor Ort aussehen kann. Diese Frage konnten die einzelnen Gremien anschließend in der Kleingruppe vertiefen. Am Nachmittag gab es Workshops und Seminare unter anderem zu den Themen Milieu-Studie, Amtsverpflichtung der Kirchengemeinderäte und Glaubenskursen. In lebendiger Erinnerung bleibt vielen der Abend mit Jürgen Kaiser. Er strapazierte mit scharfem Verstand und mitreißendem Humor die Lachmuskeln und provozierte so einige Lach-Tränen.

 

Am Sonntag rundete die Stunde der Begegnung mit Werner Schmückle vom Amt für missionarische Dienste das Wochenende ab. "Mission heißt, auf andere zugehen" lautete eine der Formulierungen am Ende. Erfüllt von Eindrücken und Impulsen kehrten die Kirchengemeinderäte zurück in ihre Gemeinden.

 

Dorothee Kolnsberg (Kirchengemeinderat Niedernhall)